Ver- und Entsorgung

Gefahren im digitalen Zeitalter

Digitalisierung

Gefahren im digitalen Zeitalter

Report (02/2019): Magazin des Fachbereich Ver- und Entsorgung

 
Sicherheitsbehörden schließen selbst „vollständigen Blackout im europäischen Verbundnetz“ nicht mehr aus

Hackerangriffe gegen deutsche Infrastrukturen nehmen kontinuierlich zu. Betroffen ist zunehmend die Energie- und Wasserwirtschaft. Die Folgen einer erfolgreichen Attacke wären katastrophal. Die Energieund Wasserversorgung nimmt unter den Kritischen Infrastrukturen eine besondere Position ein: Von ihr hängen alle anderen kritischen Infrastrukturen ab, sei es Verkehr oder Lebensmittelversorgung, Landwirtschaft oder medizinische Dienste.

In Deutschland ist es bislang nochzu keiner realen Gefährdung gekommen. Der Grund: Die IT-Systeme der kritischen Anlagen – also Kraftwerke, Speicher und Netze, Wasserwerke und Abwassersysteme – sind prinzipiell strikt getrennt von den Systemen, mit denen die Unternehmen ihre Außenkontakte, also E-Mails oder Internetverbindungen bewerkstelligen. Doch die Experten warnen: Mit zunehmender Dezentralität, mit zunehmender Einspeisung beispielsweise von Strom aus erneuerbaren Anlagen von externen Anbietern in die Verteilernetze und deren Umbau zu einem „Smart Grid“, mit zunehmendem Einbau von direkt mit der Netz-IT verbundener „intelligenter Zähler“ nehmen auch die Möglichkeiten zu, von außen auf die Netzsteuerung Einfluss zu nehmen. Im Roman „Blackout“ manipulieren die Verschwörer genau diese „intelligenten Zähler“. Kurt Rohrig, der am Fraunhofer IWES-Institut in Kassel intelligente Energiesysteme erforscht, ist zwar davon überzeugt, dass man die Smart Meter gegen Hacker-Angriffe absichern kann. Doch sieht auch er das Problem, dass „bei einem allzu rasanten Ausbau intelligenter Netze die Entwicklung der Sicherheitssysteme nicht parallel läuft.“

Die Gefahr ist real, erscheint aber sehr abstrakt. Im Gegensatz zu einem physischen Angreifer bleibt ein virtueller oft verborgen. Auch virtuelle Schutzmauern sieht man im Gegensatz zu physischen nicht. Über das Internet kann ein Angriff theoretisch von jedem Ort der Welt erfolgen. Vor allem bei kleineren und mittleren Versorgern, Stadt- oder Wasserwerken also, erscheint die Gefahr mitunter weit weg. Das wissen auch die Angreifer. Gerade hier könnten sie Schwachstellen finden, die den Angriff auf das Gesamtsystem ermöglichen. Katharina Reiche, die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) fordert ihre Mitglieder deshalb zu erhöhter Wachsamkeit auf: „Die Stromversorgung als Herzschlag der digitalen Gesellschaft muss im Interesse der nationalen Sicherheit auch Teil der deutschen Cyber-Sicherheitsarchitektur werden.“

„Das Risiko steigt“, warnt der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Arne Schönbohm, „je digitaler eine Infrastruktur wird – und sowohl Stromnetze als auch Kraftwerke werden hierzulande zunehmend digital gesteuert.“ Und was gestern noch sicher war, kann morgen schon unsicher werden. Denn in der Informationstechnologie vollziehen sich umwälzende Entwicklungen oftmals binnen Monaten. Inzwischen schließen die Sicherheitsbehörden selbst einen „vollständigen Blackout im europäischen Verbundnetz“ nicht mehr aus. [...]


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