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    Uniklinik Freiburg am 27. und 28. Oktober im Warnstreik

    Uniklinika BaWü

    Uniklinik Freiburg am 27. und 28. Oktober im Warnstreik

    Mehrere hundert Streikende aus allen Berufsgruppen erwartet
    Easyjet Crews in Warnwesten vor Gebäude in dem Tarife verhandelt werden in Berlin Dennis Dacke Uniklinik Freiburg am 27. und 28. Oktober im Warnstreik  – Uniklinika BaWü


    Mehrere hundert Streikende aus allen Berufsgruppen erwartet

    OPs reduziert, Stationen geschlossen, Notdienst gesichert

    Uniklinik läuft nur noch auf Wochenendniveau

    Demo und Kundgebung am Donnerstag

    Am Donnerstag und Freitag ruft ver.di an der Uniklinik Freiburg zu Warnstreiks auf. Damit will die Gewerkschaft vor der zweiten Tarifverhandlungsrunde am 2. November ein deutliches Signal an die Arbeitgeber senden, dass die Beschäftigten nicht bereit sind, über 15 Prozent Reallohnverlust zu akzeptieren.

    Ingo Busch, Gewerkschaftssekretär bei ver.di Südbaden Schwarzwald: „Das Angebot der Arbeitgeber macht viele Beschäftigten richtig sauer. Es stellt eine bisher nicht vorstellbare Entwertung der Einkommen an den Unikliniken dar. Ende 2023 würden die Kolleginnen und Kollegen real mindestens 15 Prozent weniger verdienen. In allen Bereichen müssen Fachkräfte gewonnen und gehalten werden – so gelingt das sicher nicht.“

    Die Streikbereitschaft ist sehr hoch. Grundsätzlich muss die gesamte Uniklinik an den zwei Streiktagen auf Wochenendniveau laufen. Mit dem Klinikumsvorstand hat ver.di eine Notdienstvereinbarung abgeschlossen. Eine Notfallversorgung ist somit gewährleistet. Rund 70% des werktäglichen OP-Programms kann an den beiden Warnstreiktagen nicht stattfinden und muss verschoben werden. Eine Station in der Hautklink, zwei Stationen in der Chirurgie und eine Station in der Medizin mit insgesamt 80 Betten müssen komplett geschlossen werden, 13 weitere Stationen sind von Teilschließungen betroffen. Insgesamt können am Donnerstag und Freitag am Klinikum 148 stationäre Betten streikbedingt nicht belegt werden. Hinzu kommen tagesklinische und ambulante Plätze. Busch weiter: „ver.di streikt verantwortlich, eine Notfallversorgung ist organisiert und u.a. mit zusätzlichen Rufbereitschaftsdiensten abgedeckt. Es wird aber Beeinträchtigungen an den Streiktagen geben. Da bitten wir um Verständnis. Es geht darum, dass auch in Zukunft Patientinnen von Personal versorgt werden kann, das angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen hat. Es geht immer auch darum, dringend benötigte Fachkräfte zu halten und zu gewinnen. Davon profitieren alle, dafür ist ein guter Tarifvertrag unerlässlich.“

    Ulrike Stein von der Uniklinik Freiburg, Mitglied der ver.di Verhandlungskommission: „Seit der ersten Verhandlungsrunde sind wir im intensiven Austausch mit den Beschäftigten auf den Stationen, in den Funktionsbereichen und der Verwaltung. Die Stimmung ist brisant. Zur jahrzehntelangen Dauerbelastung und zur akuten Belastung durch die Pandemie soll jetzt nach dem Willen der Arbeitgeber auch noch eine ernstzunehmende finanzielle Belastung kommen. Das geht gar nicht.“

    Beate Großklaus: Wäschereimitarbeiterin: „Die rund 1000 Beschäftigten im Servicebereich der Uniklinik Freiburg brauchen in diesen Zeiten dringend eine kräftige Entgelterhöhung. Sie leisten wichtige Arbeit für die PatientInnen. Alle wollen Sauberkeit, ein warmes Essen, frische Wäsche und sicher zu Untersuchungen gebracht werden. Das muss anerkannt werden. Zudem wollen wir an der Uniklinik eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beenden. Für die ServicekollegInnen muss der Tarifvertrag Unikliniken ohne Abstriche angewendet werden.“

    Franziska Pfab, bei ver.di für die Auszubildenden zuständig: „Wir brauchen eine Erhöhung der Azubi-Vergütungen um 200,- Euro, damit die Azubis sich unabhängig und ohne finanzielle Not auf ihre Ausbildung konzentrieren können. Die Azubis sind unsere Fachkräfte von morgen.“

    Ablauf Warnstreik 27.Oktober

    • ab 6.00h: Streiklokal Hörsaal Killianstraße (HNO) geöffnet 
    • 10.00h Streikvollversammlung
      Azubi-Lounge, Workshops
    • 13.30h Demostart am HNO-Hörsaal über Torbogen in die Innenstadt
    • ca. 14.30h: Abschlusskundgebung auf dem Platz der alten Synagoge
      mit Irene Gölz, ver.di-Landesfachbereichsleiterin und Verhandlungsführerin

    Ablauf Warnstreik 28.Oktober

    • ab 6.00h: Streiklokal Hörsaal Killianstraße (HNO) geöffnet

    Hintergrund:

    ver.di fordert für die Beschäftigten, die unter den Tarifvertrag Unikliniken Ba-Wü (TV UK) fallen 10,5 Prozent, mindestens aber 375 Euro pro Monat ab 1.10.2022 bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Für die Azubis fordert die Gewerkschaft 200,- Euro pro Monat. Die Psychologinnen in Ausbildung (PiA) kämpfen seit Monaten für eine gerechte Eingruppierung, die von den Arbeitgebern in die Entgelttarifrunde gezogen wurde.

    Die Gewerkschaft erwartet außerdem Verhandlungen über eine bessere Regeleingruppierung der SozialarbeiterInnen, eine Vorteilsregelung für ver.di Mitglieder von zusätzlich 50 Euro monatlich und einem weiteren freien Tag sowie eine freie Familienheimfahrt pro Monat für alle Azubis. ver.di ist bereit, in den Tarifverhandlungen auch über ein Modell zum Fahrradleasing zu sprechen. Die ersten Verhandlungen am 11.Oktober 2022 verliefen enttäuschend, die Arbeitgeber machten lediglich ein inakzeptables Angebot. Daher kommt es nun vor der 2.Verhandlungsrunde am 2.November zu Warnstreiks.

    Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag (TV UK), von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die ÄrztInnen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

    An der Uniklinik Freiburg gilt zudem für die rund 1000 Beschäftigten in den Servicebereichen ein eigener Tarifteil (TV SWE – Sicherung der Wirtschaftsbetriebe und Eigenreinigung), der separat parallel verhandelt wird. Auch hier brachte die erste Verhandlung am 14.Oktober 2022 kein Ergebnis. Die 2.SWE-Verhandlungsrunde findet am 8.November 2022 statt.