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    Warnstreikwoche an den Unikliniken Baden-Württemberg startet in Ulm und Tübingen

    Die mehrtägigen Warnstreiks an den vier baden-württembergischen Unikliniken haben heute mit Beginn der Frühschicht in Tübingen und Ulm begonnen.
    Warnstreik Matthias Klump Warnstreikwoche an den Unikliniken Baden-Württemberg startet in Ulm und Tübingen


    Die mehrtägigen Warnstreiks an den vier baden-württembergischen Unikliniken haben heute mit Beginn der Frühschicht in Tübingen und Ulm begonnen. An den beiden Standorten beteiligen sich zum Auftakt der Streikwoche rund 1.000 Beschäftigte. Aufgrund der Notdienstvereinbarungen hielten viele weitere streikbereite Beschäftigte die Versorgung der Patient:innen aufrecht und erklärten sich solidarisch mit den Streikenden. In Tübingen wird bis einschließlich Dienstag, in Ulm bis Mittwoch die Arbeit niedergelegt. Am Mittwoch folgen Heidelberg und am Donnerstag Freiburg, wo die Warnstreiks dann bis Freitag fortgesetzt werden.

    Irene Gölz, ver.di Verhandlungsführerin, forderte die Arbeitgeber auf der Kundgebung in Tübingen auf, endlich die Realität der Beschäftigten anzuerkennen: „Die schmerzlichen Inflationsverluste lassen sich nicht durch Einmalzahlungen ohne Tabellenwirkung heilen. Wer jetzt einen wirksamen Ausgleich verweigert, entwertet die Gehälter binnen zweier Jahre um über 15 Prozent. Die Kolleginnen und Kollegen streiken diese Woche für nichts weniger als den Erhalt ihrer bisherigen Reallöhne.“

    Daniel Stenger, Auszubildender an der Uniklinik Tübingen: „Wir streiken, weil wir uns ohne einen wirksamen Inflationsausgleich unsere Ausbildung schlicht und ergreifend nicht mehr leisten können.“

    Das Angebot der Arbeitgeber vom 11. Oktober sieht eine auf 15 Monate befristete, abgabenfreie Zahlung in Höhe von 140 Euro (Azubis 70 Euro) monatlich vor. Erst ab dem 1. Januar 2024 soll es eine tabellenwirksame Erhöhung von 3,5 Prozent, ab 1. September 2024 soll es weitere 2,5 Prozent geben. Die Laufzeit soll insgesamt 27 Monate betragen, bis Ende 2024. Da im Frühjahr ein Kurzläufertarifvertrag mit einer Einmalzahlung abgeschlossen wurde, würde es erst nach insgesamt 22 Monaten Laufzeit eine tabellenwirksame Entgelterhöhung geben. Die Beschäftigten müssten bei diesem Angebot die vollständige Entwertung ihrer Einkommen durch die Inflation der Jahre 2022 und 2023 tragen.

    ver.di fordert 10,5 Prozent, mindestens aber 375 Euro pro Monat bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Für die Azubis fordert die Gewerkschaft 200 Euro pro Monat. Die PiAs kämpfen seit Monaten für eine gerechte Eingruppierung, die von den Arbeitgebern in die Entgelttarifrunde gezogen wurde.

    Die Gewerkschaft erwartet außerdem Verhandlungen über eine bessere Regeleingruppierung der Sozialarbeiter:innen, eine Vorteilsregelung für ver.di Mitglieder von zusätzlich 50 Euro monatlich und einem weiteren freien Tag sowie eine freie Familienheimfahrt pro Monat für alle Azubis. ver.di ist bereit, in den Tarifverhandlungen auch über ein Modell zum Fahrradleasing zu sprechen.

    Der Arbeitgeberverband hatte nach der Kündigung der Entgelttabellen im Januar überraschend eine Coronasonderzahlung angeboten, was nach zwei Verhandlungsrunden in einen 7-monatigen Kurzläufer-Tarifvertrag mit einer Coronaprämie von 900 Euro bzw. 600 Euro für die Azubis mündete, verbunden mit der Zusage der Arbeitgeber, im Herbst die Verhandlungen über eine tabellenwirksame Erhöhung nachzuholen. Die Friedenspflicht endete am 30. September.

    Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener, mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika abgeschlossener Tarifvertrag, von dem rund 26.000 Beschäftigte an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzt:innen fallen unter den Tarifvertrag Ärzte Länder, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.